18 Dec '18

Travel

Auf und davon

Die Panik vom Reisebeginn ist längst verdaut. Reisende sind Gewohnheitstiere und gewöhnen sich irgendwann an alles. Fast alles.

Mit dem Rucksack die Welt entdecken. Es war in der Pubertät, vor dem Fernseher, als das Reisefieber erstmals als solches auftrat. Die Sendung hieß „Auf und Davon“. Jugendliche Entdecker wurden mit einem TV-Team in für sie unbekannte Gegenden geschickt. Ihr Durchkämpfen und ihre Erlebnisse faszinierten mich.

Zwei Backpacker-Bücher von zwei deutschen Autoren und eine durchzechte Nacht mit einigen Seidln Anfang Jänner 2016 (und ein paar andere Nebengeräusche) waren schließlich der Grund, im Kopf die Reißleine zu ziehen. Eine Freundin bot sich als Wegbegleiterin an. Südamerika war schnell als Destination ausgemacht.

23 Monate später ist der Traum längst wahr und zum Alltag geworden. Reisen ist leben, Leben ist reisen. Nur aus dem Duo, das sich lange im Voraus im Geiste auf zum Macchu Pichu macht, Überwältigung und Tränen von der Gischt am Iguazu-Wasserfall wegspülen lässt und in Patagonien Weitwege erwandert, ist ein Solo-Trip geworden. Ein schwerer Unfall machte Pläne und Wanderlust meiner Freundin zunichte.

Ein sehr befremdliches Gefühl

Im März 2018 ging es also los. Die drei panischen Minuten im Kopf, vor der Landung auf südamerikanischem Boden, einem neuen Kontinent, der Unbekannten, waren schnell passé. Das Gefühl, das Hab und Gut in gut 80 Liter, in zwei Rucksäcken, zu schultern, war anfangs befremdlich. Aber irgendwann gewöhnen sich Nacken und Rückenmuskulatur daran. Der Kopf physisch und psychisch ebenso.

Reisende werden angstbefreiter, gelassener und situationselastischer. Der hektische Europäer gewöhnt sich allmählich an den lockeren Umgang mit Zeit auf der südlichen Halbkugel. Der Geist lässt sich vom feurigen Temperament der Einheimischen schneller aus der Reserve locken. Der Ärger über die blutrünstige Dauer-Betäubung aus der Flimmerkiste in den Nachtbussen nimmt auch irgendwann ab.

Verdreckte Toiletten und Schnarchnasen

Schnarchende Zimmergenossen im Hostel werden irgendwann nach schlaflosen Nächten erträglich. Genauso wie knatternde und tropfende Klimaanlagen. Toiletten in die man daheim nicht einmal mit dem Hintern zuerst betreten würde, reichen auch für die Notdurft. Klopapier wird zum wichtigsten Mitbringsel.

Und Abschiednehmen wird zur Gewohnheit. Sich von Orten, Menschen, Erinnerung und Momenten zu trennen wird normal. Im Speziellen wird das Herz ab und zu schon sehr schwer. Bis das Gewissen ruft: Weiter, weiter auf der Reise.

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