31 Dec '18

Serie #80

Muttertag bei Zweitmama

Serie #80: Wie mich Vivi in der größten Not aufpeppelte

Muttertag ohne Mama, ist wie Weihnachten ohne „Stille Nacht“. Es fehlt etwas. So wie der erste Muttertag auf Reisen. Mama war in Europa, ich in Südamerika. Bewusst wurde mir das eigentlich erst zwei Tage davor, als ich bei Viviana in Valdivia (Chile) als Couchsurferin eincheckte und mein Schlafgemach bezog. 

Vivi, wie die Vierfachmama gerufen wird, empfing mich und meinen Reisepartner spät am Abend zum Las Once. Die Mitternachts-Teatime mit selbstgebackenen Picarones, Mate (Tee aus Cocablätter), Miel (Honig), Dulce de Membrillo (Quitten-Paste) und Queso (Käse). So eine herzliche Gastgeberin hatte ich selten zuvor erlebt. Es fühlte sich wie ein Heimkommen zu Mama an. 

Ich hatte das Bedürfnis mich tags darauf zu revanchieren. Die Nacht vorm Muttertag war dafür wie geschaffen. Statt meine Mama an diesem speziellen Sonntag zu bekochen, servierte ich Vivi und ihrer Familie griechische Hausmannskost, die daheim of als Festessen auf den Teller kommt: Moussaka. Dafür rannte ich den ganzen Tag kreuz und quer durch Valdivia, um alle Zutaten zu beschaffen. Einen halben Abend verbrachte ich in der Mini-Küche, der es an einigen essentiellen Geräten mangelte. 

Oh Wunder, die Kocherei gelang und meine Gastgeberin war wirklich glücklich - ich las es an ihrem herzlichen Ausdruck und ihren vielen Umarmungen ab. Verstehen konnte ich sie nicht wirklich. Das Kastilisch der Chilenen, ein wahrhaftiger Kauderwelsch, ist für Spanisch-Anfänger eine Katastrophe. 

Meine Zweitmamas

Irgendwann in der Nacht wurde dann der Begriff „Mi Mama Latina“ geboren. Meine Latino-Mama. Oder meine Zweitmama. Es mag verstörend klingen, aber ich hatte schon einige Zweitmamas. Elfi, die Mama meiner besten Freundin im Kindergarten, war so eine. Sie war manchmal streng aber so ungemein fürsorglich und liebevoll, als wäre ich ihr drittes Kind. Oder Dorli, meine Tagesmutter. Oder Gerlinde, meine frühere Nachbarin. 

Und Vivi war meine neue Zweitmama. Eine Rolle die sie, der die Leichtigkeit des Seins so oft genommen wurde (Mann weg, Alleinerzieherin, Krebspatientin, sehr junge Oma), mit viel Liebe, etwas Theatralik und enormer Fürsorge übernahm. Ich fühlte mich wirklich angekommen. Obwohl die Abreise am nächsten Morgen bevorstand. 

Der Abschied war traurig. Aber es gab Hoffnung auf ein Wiedersehen, das auch tatsächlich stattfand: Drei Monate später, 3100 Kilometer entfernt in Lima trafen wir uns wieder. Dort, in der Hauptstadt Perus, wo sie mit ihrer Ziehtochter Gianna übergangsweise lebt, wurde sie zu meiner Retterin. Sie peppelte mich auf, nachdem ich nach einer üblen Magen-Darm-Erkrankung fast vor die Hunde ging. Sie sorgte für mich. Wie eine richtige Mama. Meine Latino-Mama.

Muchas Gracias y abrazos Vivi. Tu es un muher incríble. Muy resistente, muy cariño, muy queridos!! 

#2
Viviana aus Valdivia
Chile, Mai 2018

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