23 Dec '18

Kommentar

Weihnachten ohne Christkindl

Mein Weihnachten ist heuer nicht weihnachtlich. Das hat mehrere Gründe

Weihnachten ist für mich so viel mehr als ein Fest am 358. Tag im Jahr. Weihnachten ist das Zusammenrücken, wenn’s draußen kälter wird. Wenn Mama die Dekoration aus dem Keller holt und das Haus feierlich und geschmackvoll schmückt. Wenn die langen Arbeitstage heiter mit Freunden bei Glühwein und Punsch am Christkindlmarkt ausklingen. Wenn irgendwann Chris Rea im Radio für das Fest der Feste heimfährt, der Duft von frischgebackenen Keksen von Riechepithel, Vorhängen und Möblierung aufgesogen wird.

Wenn das Backwerk bei jedem Gang ins Untergeschoss häppchenweise schwindet. Wenn Schokolade schon vorm Frühstück aus dem Kalender gedrückt wird. Wenn Herzlichkeit auf selbstgebastelten Karten in alle Welt verschickt wird. Wenn die Familie wieder mehr zusammenrückt. Wenn der Christbaum heimgebracht, aufgeputzt und geschmückt wird. Wenn die Schweinsbratwürstel mit Sauerkraut und Estragonsenf aufgetischt werden.

Kein Konsumrausch, kein Gesang

Wenn das Glöckchen s’Christkindl ankündigt. Wenn die Geschenke aus dem bunten Papier hausgezupft oder mit Vorfreude aus der Verpackung gerissen werden. Wenn “Stille Nacht” mit mehr oder weniger falscher Tonlage angestimmt wird. Wenn leider auch die Hektik rundherum, der Konsumrausch in den Einkaufsstraßen, verzweifelte Wünsche und Sehnsüchte und der Zwang Liebe und Anerkennung durch materielle Geschenke zu erhaschen wieder rapide steigen.

Das alles ist heuer anders: weder die Vorboten, noch die Vorfreude und das Fest mit den Liebsten. Während sich daheim Wetter und Stimmung auf den Heiligen Abend einstellen, ist südlich des Äquators nur wenig von Weihnachten zu spüren. 36 Grad Außentemperatur, Schwüle und nur etwas Blingbling auf Plastikbäumen machen einfach keinen Advent. Aber es ist mir – momentan – egal. Ich bin nicht daheim. Ich kann nicht mitmachen. Und irgendeinen Brauch hier nach Lateinamerika transferieren würde mir auch kein echtes Weihnachten bescheren.

Christkind-Abstinenz tut gut

Vielleicht auch gut, dass ich heuer einfach auf Altbewährtes verzichten muss, ich hab‘ Weihnachten ohnehin in den letzten Jahren nicht mehr wirklich wertgeschätzt. Ich erinnere mich an das trostloseste Fest überhaupt: kein Baum, keine Bescherung, kein „Stille Nacht“. Worst Case. Also kann die Christkind-Abstinenz nur gut sein. Und falls sich die lockige Geschenkebotin doch in den heißen Süden verirrt, werd‘ mit ihr unter Palmen feiern.

Nichtsdestotrotz wünsche ich euch ein wunderschönes Weihnachtsfest und eine besinnliche Zeit mit euren Lieben!

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